/// Agrar-Outlet - WS 2002/2003
/// Bio und Kommerz
/// Prof. H. Schneider
Aufgabe
In den 80er Jahren entstanden in den USA die ersten Factory-Outlets. In Deutschland gab es 1999 über 60 solcher Direktverkaufszentren, in denen Textilien, Lederwaren, Porzellan oder Schmuck oft wesentlich günstiger als im Einzelhandel erworben werden können, weil durch den Fabrikverkauf Vertriebskosten eingespart werden. Die Zahl der Outlets wächst beständig. Die Vorteile durch geringe Vermarktungskosten und günstige Mieten z.B. in Stadtrandlagen des "Outlettings" sind von landwirtschaftlichen Betrieben bislang nur in sehr geringem Maße erkannt und genutzt worden. Eine Vermarktung in Agrar-Outlets, bei der Warenpräsentation und -verkauf von ihrer direkten Nähe zur Produktion profitieren, könnte auch zur Steigerung des angekratzten Images der Agrarwirtschaft beitragen. Architektonische Konzeptionen für Gebäudehybride dieser Art, zwischen traditionellem Bauernhof und moderner Agrarfabrik, zwischen handwerklichem Betrieb und Drive-In, müssen jedoch erst noch entwickelt werden.
Ort
Der Standpunkt des Outlet-Stores für Agrarprodukte liegt in der Peripherie der am Nordwestrand des "Hohen Venn" gelegenen Stadt Eupen in Belgien zwischen Autobahn und Stadtzentrum. Mit Ausnahme dieser durch heterogene Bebauung gekennzeichneten Stadteinfallstraße ist die Umgebung ländlich und bietet genügend landwirtschaftlich nutzbares Hinterland. Die "N67" ist von sehr starkem Verkehr geprägt, Supermärkte befinden sich in unmittelbarer Nachbarschaft - ausreichend "Kundschaft" ist vorhanden. Gerade die "Unwirklichkeit" des Standortes - der Mix aus Tankstellen, Fritüre-Läden, Wohnhäusern und Bauernhöfen soll Ausgangspunkt der Überlegungen sein, wie mit solchen Lagen umgegangen werden kann, welche Rolle Architektur in diesem Kontext spielen kann.
|
|
Rahmenbedingungen
Ausgangspunkt der Überlegungen stellt die Frage nach der Beziehung zwischen Natur und Mensch dar. Was passiert mit einem landwirtschaftlichen Produkt während des Produktionsprozesses? Für gewöhnlich haben wir keinerlei Einsicht in den Erzeugungsvorgang.
Das Konzept eines Agrar-Outlets bietet aufgrund der Zusammenführung der Erzeugungs-, Weiterverarbeitungs- und Konsumstätte die Chance dem Verbraucher glaubhaft den Wert einer biologischen Herstellung landwirtschaftlicher Produkte zu vermitteln. Ziel ist möglichst weitgehende Transparenz für den Konsumenten zu schaffen.
Baulich stellt das Raumprogramm eines solchen Hybrides aus landwirtschaftlichem Betrieb, Lebensmittelherstellung, Outlet-Store und Wohn- und Arbeitsbereich für den Betreiber sehr unterschiedliche Anforderungen.
Konzept
In einem ersten Schritt erschien es sinnvoll die einzelnen landwirtschaftlichen Funktionen, für die es
sehr tragfähige traditionelle Archetypen gibt nicht zusammenzuführen, sondern sie lediglich an entsprechenden Punkten umzuformen.
Entsprechend dem Herstellungsprozess, den o.g. Absichten der weitgehenden Einsicht durch den Konsumenten und den funktionalen Beziehungen wurde eine Struktur entwickelt, die aus zwei langen äußeren Schienen mit senkrecht dazwischen liegenden Riegeln besteht. Die hintere Versorgungs-Schiene (Lager für Einstreu und Futter, Fuhrpark, Biogasanlage) stellt dabei einen Bezug zur Landschaft her, die vordere Outlet-Schiene (Outlet, Metzgerei, Bäckerei, Käserei, Cafeteria, Büros) den zur Öffentlichkeit und dem konsumgeprägten Umfeld. In den innen liegenden Riegeln finden sich Stallungen, Gewächshaus und Wohnhaus des Outlet-Bauern.
Die einzelnen Gebäudeteile ergeben ein Gesamtensemble, innerhalb dessen ein geschlossener Produktionsprozeß abläuft. Den Schnittstellen Outlet-Umgebung und Outlet-Stallungen kommt hierbei besondere Bedeutung zu. So kann der Besucher vom Outlet aus in die angrenzenden Stallungen blicken. Ebenso ist von hier und schon vom Parkplatz aus die Sicht in die Lebensmittelherstellung möglich.
|