/// Koloss - WS 2004/2005
/// Hybrid in Zürich Letzigrund
/// Prof. A. Meyer (ETH)


Aufgabe

Im direkten Umfeld vom Stadion Letzigrund in Zürich war ein grosses Gebäude mit Wohnungen und evtl. weiteren Funktionen zu entwerfen.
Dabei interessierte weniger das Thema einer Stadtverdichtung, als vielmehr der unvoreingenommene Umgang mit dem urbanen Raum. Das neu geplante Stadion mit seiner flächigen Horizontalität sollte durch den Koloss mit der Stadt räumlich verankert werden. Die anthropomorphe Dimension der Architektur, deren Gestalt und Ausprägung, spielten bei diesem Gebäude eine zentrale Rolle. Die Wohnungen im Inneren sollten in ihrer Vielfalt ganz bewusst das Spektrum von der Familie mit Kindern bis zu Wohngemeinschaften umfassen. In dem Zusammenhang stellten sich auch wichtige Fragen der Bindung von hochgelegenen Wohnungen mit dem sozialen Umfeld: Wie entwickelt sich das Haus aus dem Boden, wie wird der unmittelbare urbane Raum definiert?
Damit ein solcher Bau in der Umgebung bestehen kann, aber auch wegen seiner hybriden Funktionalität, wird er relativ gross, ein Koloss an der Grenze zu Altstetten.

Einflussfaktoren

Das Umfeld des Baugrundstückes ist durch starke Heterogenität geprägt und liegt an einer starken Verkehrsader. Einen wesentlichen Einflussfaktor stellt außerdem das Stadion Letzigrund dar, welches demnächst abgerissen und durch ein neues Stadion für die Fußball-EM 2008 ersetzt werden wird.

Konzept

Die angesprochene Heterogenität bildet den Ursprung der Überlegungen. Der Koloss soll diese Heterogenität in sich aufnehmen und dabei eine sinnvolle Struktur bieten, welche aus dem Vorhandensein einer Vielzahl von Nutzungen seine Qualitäten entwickelt. Auf diese Weise fügt er sich nicht nur in den Kontext ein und bietet komplementäre Nutzungen, sondern bietet auch die Möglichkeit neue Impulse für die weitere Entwicklung des Quartiers zu geben.

 





Gestalt

Der Koloss soll das Umfeld als Ausgangspunkt nehmen und sich zu den vielen Eindrücken des Ortes positionieren. So entsteht eine komplexe und reaktionsfähige Gestalt des Kolosses, welche mit seinen Bewegungen gezielt Bezüge herstellt. Die Struktur wirkt wie an diesem Ort gleichsam wachsend entstanden und meidet den Eindruck eines endgültigen Zustandes.

Struktur

Das Gebäude besteht aus einer Art Sockelvolumen und zwei darübergeschichteten Ringen. In der Mitte entsteht ein nach oben offener Platz. Die einzelnen Volumen liegen aufeinander auf, bilden durch ihre Bewegungen aber immer wieder Zwischenräume. Die Ringe sind wie aufgesteckt auf die sie durchdringenden Erschließungstürme.

Die Nutzungen betreffend findet eine Hierarchisierung von unten nach oben, von öffentlich nach privat statt.
Der Sockel ist zu einem guten Teil in den Boden versenkt und nimmt dort Tiefgarage, Technik und eine große Dreifach-Sporthalle auf. Die über der Oberfläche liegenden Teile des Volumens beinhalten Shopping. Durch die Topographie des Sockelvolumens öffnet sich der Platz zum Stadion und der Badenerstrasse.
Der erste Ring beinhaltet zum Stadion hin ein Hotel, zur Badenerstrasse ein Fitness-Studio und zu den beiden anderen Seiten Büros und Ateliers.
Der obere Ring ist mit verschiedenen Wohnungstypen gefüllt. So gibt es beispielsweise Wohnungen, die einen direkten Zugang zu den darunterliegenden Ateliers erlauben oder Wohnungen mit Dachgärten.

Raum und Erschließung

Die Erschließung der Shopping-Nutzungen und der Büros und Ateliers funktioniert im wesentlichen über die Topographie des Sockels. Das Hotel und das Fitness-Studio erhalten eigene Erschließungskerne. Der obere Ring kann nur von den Bewohnern über die Erschließungstürme erreicht werden. Die horizontale Erschließung verläuft auf den Oberseiten der Ringe und über Laubengänge. Die Ringe können dabei ringsum kontinuierlich umgangen werden.

In den Zwischenräumen, welche sich durch die unterschiedlichen Bewegungen des Sockels und der Ringe ergeben, entstehen interessante Räume, welche immer wieder die Erschließungswege aufweiten und sowohl den Ausblick aus dem Gebäude, als auch auf den zentralen Innenraum erlauben. Sie nehmen gemeinschaftlich nutzbare Funktionen wie einen Spielplatz auf. Auf der Oberseite des Wohnringes befinden sich schließlich Gärten für die einzelnen Wohnungen und weitere gemeinschaftliche Flächen und Nutzungen, z.B. einen Pool mit großer Liegefläche und priviligierter Aussicht in das Stadion Letzigrund.