/// Schwimmend - Diplomarbeit WS 2005/2006
/// Eine schwimmende Therme auf dem Rhein
/// Prof. F. Humblé und Prof. J. Ruoff

Aufgabe

Nach Jahrzehnten der Abwendung entdecken die Anwohner des Rheins ihre Liebe zum Fluß wieder. Mit der zurückgehenden Umweltbelastung kehrt die Wahrnehmung des Mittellaufs des Rheins als Freizeit- und Erholungsgebiet wieder. Auch die ursprünglich für den Wassersport konzipierten Hausboote in Rodenkirchen bei Köln, wei die nach einem Brand wiedererrichtete "Alte Liebe", erfreuen sich als originelle Gastronomie-standorte und Sportstätten steigender Beliebtheit.
Ziel dieses Entwurfes war es, das Potential des Hausbootkonzeptes in dem Entwurf einer schwimmenden Therme nach heutigen Bedingungen auszuloten.

Konzept


Am Anfang des Entwurfsprozesses stand die Beschäftigung mit schwimmenden Objekten und deren Gesetzmäßigkeiten und die Betrachtung der Kultur des Badens in Flüssen.
Hier fanden sich zwei wichtige Vorbilder, welche zu wesentlichen Einflußfaktoren wurden - räumlich, funktional und konstruktiv.

Das Schwimmdock

„Das […] Schwimmdock ist eine schwimmende, tauchfähige Vorrichtung zur Aufnahme und Anhebung (Trockenlegen) von Schiffen zwecks Wartung.“ [Wikipedia]
Ein Schwimmdock funktioniert auf der Basis des Archimedischen Prinzips, indem es genau jenes Wasservolumen verdrängt, welches dem Gewicht seines Eigengewichtes entspricht. Das Eigengewicht des Docks lässt sich mit Hilfe von Ballasttanks variieren, wodurch Auftrieb und Tauchtiefe gesteuert werden können.
Schwimmdocks bestehen typischerweise aus zwei Hauptteilen: Pontons und Flügelwände. Die Pontons übernehmen den Hauptanteil des Auftriebs und müssen den zu wartenden Schiffskörper tragen können. Die Flügelwände dienen der Stabilität bei abgetauchtem Dock, der Aufnahme von Räumlichkeiten für Ausrüstung und wirken als Längsträger.

Das Wiener Strombad

Die Strombäder in Wien, welche im ersten Drittel des 20. Jahrhunderts entstanden, sind auf zwei eisernen Tragrohren schwimmende Badeanstalten mit nicht überdachten Schwimmbecken. Die Umkleiden und Duschen befinden sich in einer raumhaltigen Wand, welche die Bassins und deren Umgang rahmen. Das Strombad ermöglicht sicheres Baden in dem schiffbefahrenen Strom.

Methodik

Der Entwurf der Therme auf dem Rhein entwickelt sich zu einem Teil aus der Zusammenführung, Weiterentwicklung und Abwandlung der in den oben genannten Vorbildern vorhandenen Aspekte. Durch die Bearbeitung der ortsspezifischen und thematischen Bedingungen treten andere Vorstellungen hinzu.

 





Elemente

Es wurden 2 Elemente entwickelt, die in Verbindung mit dem „Bauplatz Rhein“ einen Dialog eingehen.

Die innere Struktur

Sie beinhaltet die hauptsächlichen Thermenräumlichkeiten, welche von allen Nebenfunktionen freigehalten werden.
Es wurde eine räumliche Abfolge von eher öffentlichen, lauten Räumen zu intimeren entwickelt.
Die Räume verteilen sich in einzelne pavillonartigen Volumen, welche durch flächige Elemente verbunden sind. Auf diese Weise entsteht eine zusammenhängende Struktur, welche durch Ort-Weg-Abfolge sowohl Kontinuität des Raumes als auch Gliederung vermittelt.
Die Tragstruktur ist ein Stahlskelett, welches mit Holz beplankt wird.

Der Schwimmkörper

Der Schwimmkörper vereint in sich jegliche Grundlagen schaffenden, dienenden Funktionen.
Er erzeugt den notwendigen Auftrieb, um sich selbst und seine Auflast sicher über dem Wasser halten zu können, nimmt alle notwendigen Nebenräume wie Technik, Umkleiden, Duschen, etc. auf und wirkt durch seine im Schnitt U-förmige Ausbildung als räumlich fassendes Element. Es entsteht ein kanalartiger Innenraum im Aussenraum, der vom Rheinwasser durchströmt wird.
Die Konstruktion entspricht dem Stahlschiffbau und besteht aus quer und längs verlaufenden Stahlblechen, welche untereinander und mit der Aussenhaut verschweißt werden.

Rheinwasser

Aufgrund der zurückgehenden Umweltbelastung wird der Rhein als Bademöglichkeit neu entdeckt. Den Rhein in die Therme zu holen entspricht diesem Wunsch und erzeugt eine innige Beziehung zwischen Ort und Therme.
Die Strömung und die Bewegungen der vorbeifahrenden Schiffe, werden als elementare Bestandteile in den Entwurf aufgenommen.

Zusammenspiel

Die beiden baulichen Elemente und das die Therme durchströmende Rheinwasser verbinden sich ineinandergreifendend und gegenseitig beeinflussend zu einem Gesamtgefüge.
Die innere Struktur und der Wasserstrom sind hierbei die aktiven Elemente, welche die U-Form des Schwimmkörpers beeinflussen.