/// Verehren - WS 2003/2004
/// Friedhofskonzept, Krefeld-Bockum
/// Prof. P. Fuhrmann
Ort
Die Geschichte des Bockumer Friedhofs reicht bis in die frühe Mitte des 19. Jahrhunderts zurück. Im Jahr 1886 wurde eine Genehmigung zur Erweiterung des bestehenden Friedhofs erteilt.
Der über 6 Hektar große Bockumer Friedhof ist sehr baumreich und besitzt einige malerische Alleen. Während des 2. Weltkrieges lag er direkt neben einem Flugplatz, wovon aber heute keine Spuren mehr zu finden sind.
Anfang der 70er Jahre gab es Überlegungen, den Bockumer Friedhof zu einem zweiten Zentralfreidhof auszubauen und so den überfüllten Hauptfriedhof zu entlasten. Diese Überlegungen wurden aber nicht in die Tat umgesetzt, da der alternative Standort in Elfrath bessere Vorraussetzungen bot.
Aufgabe
Gesucht wurde ein konzeptioneller Ansatz für die Potentiale von Friedhöfen der Zukunft.
Am Beispiel des Friedhofes Krefeld-Bockum sollten qualitätvolle und individuelle Möglichkeiten von Abschied, Trauer und Bestattung entwickelt und räumlich erlabbar umgesetzt werden.
Das Raumprogramm und die bauliche Dichte war aus dem Konzept zu entwickeln.
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Konzept
Bei der Untersuchung der bestehenden Friedhofsstruktur fällt auf, dass sich die Schnittlinie zwischen dem älteren und dem neueren Teil der Anlage indifferent
darstellt. Es ist weder eine klare Trennung oder Gliederung zu erkennen noch wurde eine verschmelzende Zusammenführung der beiden Teile betrieben. Die bestehende Achse ist kaum ausgeprägt, Baumbestand und Wegeführung bleiben unklar.
Aus den genannten Beobachtungen entwickelt sich die Idee das neue Friedhofsgebäude genau an der problematischen Stelle zu positionieren. Durch seine lange linienförmige Gestalt wird eine neue Bezugsachse für den Friedhof hergestellt, welche, unterstützt durch die Einbettung ins bestehende Wegenetz, das neue Rückgrat des Friedhofes bildet. Gleichzeitig wird durch Vorlagern eines kleinen Platzes eine eindeutige Eingangssituation in die Gesamtanlage geschaffen.
Im Innern des Gebäudes spannt sich ein Außenraum im Innenraum auf. Dieser Raum bietet eine Art Wandelraum, welcher die einzelnen Funktionen sowohl gliedert als auch eine fließende Verbindung zwischen Profan und Spirituell herstellt. Er verbindet sich mit dem Wegenetz des Friedhofes. Auf diese Weise findet ein unmerklicher Übergang Friedhof-Gebäude-Friedhof statt. Die Erschließung in die Innenräume erfolgt über den Wandelraum.
Das Raumprogramm gliedert sich von eher öffentlich-profanen Räumen über spirituelle Andachts- und Abschiedsräume bis hin zu funktional-technischen Räumlichkeiten.
Die Beobachtung der gesellschaftlichen Entwicklung in Deutschland läßt eine Individualisierung des Glaubens und somit der Vorstellungen von Leben und Tod erkennen. In diesem Zusammenhang ist eine Verlagerung von bislang originär kirchlichen Aufgaben an andere Stelle festzustellen.
Als Reaktion auf diese Tatsache und um dazu beizutragen, dass den Menschen ein eigener Weg der Trauerbewältigung zugänglich wird, wurden für einen Friedhof bislang unübliche Räumlichkeiten integriert. Hierzu gehören ein flexibler Ausstellungs-, Veranstaltungs- und Seminarbereich mit einer kleinen Bibliothek, welcher die Auseinandersetzung mit dem Thema Vergänglichkeit anregen soll.
Zudem wurde starker Wert auch auf das körperliche Abschiednehmen gelegt. So gibt es eine Trauerwerkstatt, etwa zur persönlichen Arbeit an Sarg oder Urne, intime Aufbahrungsräume und einen zusätzlichen Abschiedsraum bei Verbrennung des Leichnams.
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